Radiojodtherapie von gutartigen Schilddrüsenerkrankungen

Nuklearmedizin

Direktor:
Prof. Dr. med. Torsten Kuwert

Radiojodtherapie von gutartigen Schilddrüsenerkrankungen

Verfahren und Indikation:

Zur Behandlung von gutartigen Schilddrüsenerkrankungen, welche mit einer Hormonüberproduktion bzw. einer klinisch relevanten Vergrößerung der Schilddrüse einhergehen, kann neben der chirurgischen Therapie eine Radiojodtherapie durchgeführt werden. Es handelt sich um ein nuklearmedizinisches Standardverfahren, welches seit mehreren Jahrzehnten erfolgreich eingesetzt wird. Die Therapie basiert auf der Verabreichung des radioaktiven Jodisotops J-131, einem sogenannten Betastrahler, zumeist in Kapselform. Bei Betastrahlern handelt es sich um hochenergetische Strahler, die ihre Energie jedoch nur über wenige Millimeter abgeben. Die in der Schilddrüse abgegebene Strahlung führt zur Zerstörung des erkrankten Schilddrüsengewebes.  Dies beseitigt die Schilddrüsenüberfunktion und führt zur Organverkleinerung bei gleichzeitiger Schonung des umgebenen Gewebes.

Schilddrüsenzellen benötigen für die Produktion von Schilddrüsenhormonen Jod, welches sie über bestimmte Känale (Natrium-Jodid-Symporter) aus dem Blut abfiltrieren. Die Schilddrüse stellt dabei im Wesentlichen das einzige Organ dar, welches Jod in relevanten Mengen aufnimmt und verstoffwechselt. Aus diesem Grund erfolgt die Aufnahme des radioaktiven Jods ebenfalls fast ausschließlich in der Schilddrüse, wodurch eine hohe Energieabgabe in der Schilddrüse bei gleichzeitig geringer Strahlenbelastung des Restkörpers möglich ist. Nicht in der Schilddrüse aufgenommene Mengen an Radiojod werden zügig über die Nieren und den Darmtrakt ausgeschieden.

Mittels Radiojodtherapie behandelbare gutartige Schilddrüsenerkrankungen:

  • Klinisch relevante Schilddrüsenautomie
  • Autoimmunthyreopathie vom Typ Morbus Basedow
  • Klinisch relevante Struma diffusa / multinodosa

Ablauf:

Die Radiojodtherapie kann aufgrund der gesetzlichen Strahlenschutzbestimmungen in Deutschland nur unter stationären Bedingungen durchgeführt werden. Der Dauer des stationären Aufenthalts beträgt mindestens 2 Tage. Generell entscheidet die verbleibende Dosisleistung, d.h. die radioaktive Restaktivität, wann ein Patient in Übereinstimmung mit der deutschen Gesetzgebung entlassen werden kann.

Zur genauen Bestimmung der für die Therapie notwendigen Menge an Radiojod wird dem Patienten zumeist am stationären Aufnahmetag eine  Kapsel mit einer geringen Menge an J-131 verabreicht. Nach 24 Stunden wird die Menge des in der Schilddrüse aufgenommen Radiojods bestimmt und hieraus die eigentliche Therapiedosis berechnet, welche üblicherweise am 2. Tag des Aufenthalts verabreicht wird. 

Neben der therapeutischen Betastrahlung erzeugt der Zerfall von Radiojod zu einem geringeren Anteil niederenergetischere Gamma-Strahlung, welche jedoch eine hohe Reichweite aufweist, den Körper des Patienten durchdringt und eine Strahlenbelastung für die Umwelt des Patienten darstellt. Aus diesem Grund erfolgen tägliche Messungen der verbleibenden Dosisleistung, welche über den Zeitpunkt einer möglichen Entlassung entscheiden. Nach Therapieende müssen aufgrund der verbleibenden Restaktivität bestimmte strahlenhygienische Maßnahmen ergriffen werden. Dauer und Ausmaß dieser werden individuell am Tag der Entlassung mit dem Patienten besprochen. 

Zudem sollte der Patient vor der stationären Aufnahme auf eine jodarme Kost achten, da eine stark jodhaltige Ernährung zu einer verminderten Aufnahme des radioaktiven Jods führt. Welche Nahrungsmittel  Sie meiden sollten, entnehmen Sie bitte auch unserem Informationsblatt.

Nebenwirkungen:

Die Radiojodtherapie stellt eine gut erprobte und schonende Methode der Behandlung gutartiger Schilddrüsenerkrankungen dar und wird von den meisten Patienten sehr gut toleriert. Sehr selten kommt es zu lokalen Nebenwirkungen die mit Mundtrockenheit und leichten Halsschmerzen einhergehen können. Diese sind in der Regel nur von kurzer Dauer und gehen ohne Behandlung rasch vorüber. 

Bei der Behandlung einer Autoimmunthyreopathie vom Typ M. Basedow kann es sehr selten zu einem Neuauftreten bzw. einer Verschlechterung einer bereits bestehenden endokrinen Orbitopathie (Symptome Augentränen, Augenrötung, Hervortreten der Augen, Doppelbilder, Sehverschlechterung) kommen. In der Regel erfolgt daher die Radiojodtherapie dieser Erankung unter prophylaktischer Gabe von Cortison während und nach der Therapie, um dem Auftreten einer endokrinen Orbitopathie vorzubeugen.

Ebenfalls sehr selten ist das Neuauftreten einer Autoimmunthyreopathie vom Typ M. Basedow nach Radiojodtherapie einer Schilddrüsenautonomie.

Nach Therapie ist die Entwicklung einer Schilddrüsenunterfunktion häufig, teilweise auch therapeutisches Ziel (z.B. Therapie des M. Basedow). Diese kann jedoch unkompliziert durch die Einnahme von gut verträglichen Schilddrüsenhormonen, gegebenenfalls lebenslang, ausgeglichen werden.

Terminvereinbarung:

Die Terminvergabe zu einem ambulanten Vorgespräch in der Nuklearmedizinischen Hochschulambulanz erfolgt unter Tel. 09131 / 8533416.

Notwendige Dokumente:

Ambulantes Vorgespräch:

  • Bei gesetzlich versicherten Patienten Überweisungsschein
  • Krankenversicherungskarte
  • Unterlagen über Erkrankung und bisherige Therapien (Arztbrief)
  • Falls vorhanden aktueller Medikamentenplan
  • Falls vorhanden bildgebende, z.B. radiologische Voruntersuchung auf CD plus zugehörigen schriftlichen Befund, wenn Untersuchung nicht am Universitätsklinikum Erlangen erfolgt.

Stationäre Aufenthalte:

  • Bei gesetzlich versicherten Patienten Einweisungsschein
  • Krankenversicherungskarte
 
Terminvereinbarung

Ambulantes Vorgespräch

Telefon: 09131 85-33416

 
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